Bedenkliches

Menschen waren auch in Münster an unsäglichen Taten beteiligt.

Wir bitten Sie, die Münsteraner BürgerInnen, uns bei der Vervollständigung der Seiten zu unterstützen. Wenn Sie sich noch an geschichtliche Zusammenhänge in Münster Mauritz oder der Warendorfer Straße erinnern, schreiben Sie uns bitte.


Gedenktafel:
Gertrudenhof

An der Ecke Warendorfer Straße / Kaiser-Wilhelm-Ring befand sich früher der Gertrudenhof.
Der Gertrudenhof war ein Lokal an der Ecke Warendorfer Straße und Kaiser-Wilhelm-Ring.
Am 11. Dezember 1941 wurden 105 Juden aus Münster gemeinsam mit rund 300 weiteren Juden aus dem Münsterland verhaftet und im Saal des Getrudenhofes eingesperrt, bevor sie am Vormittag des 13. Dezember 1941 vom Güterbahnhof an der Hafenstraße aus ins Ghetto nach Riga transportiert wurden.

Seit 1991 erinnert eine Gedenktafel an die Bedeutung dieses Ortes.







Kann man hier in Ruhe gedenken?





Spätestens an der Bahnunterführung sehen Sie, wie nah die historische Altstadt ist.

 

 

 

Die Villa Ten Hompel
am Kaiser-Wilhelm-Ring

Rudolf ten Hompel, Großindustrieller

Die Villa wurde ab 1924 vom münsterschen Industriellen Rudolf ten Hompel gebaut. Ten Hompel war einer der reichsten Bürger der Stadt Münster und Besitzer der größten Zementwerke Deutschlands, den Wiking-Werken, außerdem von 1920 bis 1928 Reichstagsabgeordneter der Zentrums-Partei.

Das Haus, gelegen am Kaiser-Wilhelm-Ring, und sein weitläufiger Garten waren dementsprechend häufig Ort von Festen und Empfängen und dafür recht luxuriös ausgestattet.

In der Weltwirtschaftskrise und den folgenden schwierigen Zeiten Anfang der 1930er Jahre brach auch ten Hompels Zementimperium zusammen. Im Jahre 1935 wurde der ehemalige Generaldirektor ten Hompel vor dem Landgericht Münster wegen Veruntreuung, Konkursvergehen, Vermögensverschiebungen und Urkundenfälschung angeklagt und zu drei Jahren Gefängnis sowie einer Geldstrafe von 22.000 Reichsmark verurteilt. 1939 ging die Villa schließlich in den Besitz des Reichsfiskus über und Rudolf ten Hompel ging nach München, wo er 1948 starb.

Die Villa ten Hompel im Besitz der Ordnungspolizei

Ab April 1940 übernahm die Ordnungspolizei die Villa als Hauptquartier für den Wehrbezirk VI, der das ganze heutige Nordrhein-Westfalen mitsamt der Region um Osnabrück und Teilen Belgiens umfasste.

Von dort hatte der Befehlshaber der Ordnungspolizei Befehlsgewalt über fast 200.000 Mann.

Während des Krieges wurden aus der Villa ten Hompel auch Wachmannschaften für Deportationen und Aufsichtspersonal für Arbeitserziehungslager organisiert, außerdem wurden Fremdarbeiter und Kriegsgefangene dort überwacht.

Die Villa als Teil der Landespolizei

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Villa ten Hompel als Hauptsitz für die Landespolizei sowie ab Frühjahr 1946 auch der Kriminalpolizei, die im Oktober aber mit der Düsseldorfer Kripo zusammengelegt wurde und sich aus der Villa zurückzog. Bis 1953 war außerdem die Wasserschutzpolizei des Bereichs Westdeutsche Kanäle hier stationiert, dann wurde sie nach Duisburg verlegt.

Entschädigungszahlungen aus der Villa ten Hompel heraus

Ab 1953 war das Wiedergutmachungsdezernat der Bezirksregierung in der Villa ansässig. Als solches war es dafür verantwortlich, Entschädigungszahlungen an Opfer des Nationalsozialismus und deren Hinterbliebene zu leisten. 12.000 Menschen stellten in den Jahren bis 1968 einen Antrag auf Entschädigung, an diese wurden 100.000.000 Mark ausgezahlt

Die Villa als Gedenkstätte

Ende der 1990er kaufte die Stadt Münster die Villa, um hier eine Gedenkstätte einzurichten, die sich dem Polizei- und Verwaltungshandeln widmete. Am 13. Dezember 1999 eröffnete Oberbürgermeister Berthold Tillmann in Anwesenheit von NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement und dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland Paul Spiegel die erste Ausstellung. Neben der Dauerausstellung "I.m A.uftrag" sind hier immer wieder Ausstellungen zu sehen, die sich um die Themen NS-Verbrechen, Wiedergutmachung, Polizei- und Behördengeschichte drehen. Die Villa arbeitet eng mit der Universität, Schulen und der Polizei zusammen (Seminar- und Bildungsarbeit). Außerdem befinden sich hier eine Bibliothek und ein Archiv. Die Fachhochschule Münster unterstützt die Ausstellung der Villa in Fragen des Designs.

Schlagzeilen um die Villa gab es zum Jahreswechsel 2005/2006, als in der münsterschen CDU Überlegungen laut wurden, die 280.000 Euro, die die Stadt der Villa jährlich zuschießt, zu kürzen oder ganz zu streichen.